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Mein Leben&ich, Vol. I

“ Den Ablauf der Zeit empfinden die meisten Menschen für gewöhnlich gar nicht;

sie sind von der Vergänglichkeit vorläufig auf freien Fuß gesetzt.“

So ihr Lieben, nun sollt ihr erstmal ein bißchen was über mich erfahren. Ich heiße Lily bin 28 Jahre alt (mittlerweile 29 :-O)und wohne im schönen Schleswig Holstein. Ursprünglich komme ich aus Niedersachsen, aber das werdet ihr nach und nach noch mitkriegen ;)

Ich habe bis zu meiner Krebs Erkrankung in einer Mädchenwohngruppe gearbeitet und habe die Arbeit immer geliebt, mittlerweile sehe ich vieles anders, aber auch dazu werdet ihr nach und nach mehr erfahren.

Im Dezember 2009 musste ich zwecks Nachuntersuchung eines Bänderrisses ins MRT, dort sahen die Ärzte dann einen schwarzen Fleck im Knochen. Sie sagten, sie müssten es biopsieren, um eine genaue Diagnose zu stellen. Ja, dachte ich mir, macht mal, wird schon nix sein. Blauäugig wie ich war, dachte ich, dass es eh immer die Anderen trifft, aber doch nicht mich. Einige Tage später war es dann soweit, ich musste zur Biopsie. Wirklich viel kann ich dazu gar nicht schreiben, irgendwie war ich die ganze Zweit immer mit meinem Leben beschäftigt, so wie ich es die letzten eineinhalb Jahre gelebt hatte…. sprich, nur arbeiten, kaum Urlaub (ich habe noch 25 Urlaubstage vom letzten Jahr plus einen Haufen Überstunden), keine Freizeit, immer Arbeit.

3 Tage vor Heilig Abend war es dann soweit, die Ergebnisse waren da und ich sollte ins Krankenhaus kommen. Gespräch mit dem Arzt. “Osteosarkom” “noch mehr Untersuchungen” “MRT” “Thorax- CT” “Szyntigraphie” “eventuelle Metastasen” “Chemotherapie” “Operation” “strahlenresistent” HÄH???? Wo ist mein Leben hin? Wo hat es sich versteckt? Ich will es wieder! Huhu, wo bist du, Leben?

Irgendwann war ich wieder zu Hause. Ich konnte es nicht glauben, bzw. habe es auch nicht geglaubt. Verdrängung is ja auch was Tolles. Letzte Weihnachtsgeschenke gekauft, Heilig Abend in der Wohngruppe gearbeitet, den Mädchen ein schönes Weihnachten bereitet. Jemandem sagen, was los ist? Unmöglich… ich kann doch keinem Weihnachten verderben…. und außerdem, wenn ich´s keinem sage, ist es doch auch nicht wahr, oder???

Weihnachten und Silvester gingen irgendwie vorbei und dann….- ja, dann hatte ich plötzlich keine Ausrede mehr, warum ich es nicht sagen konnte, es stand kein Weihnachten mehr vor der Tür, kein Jahreswechsel…. und Ostern war noch so weit weg. Aber wie? Wie soll ich jemandem sowas sagen? Meine engsten Freunde sollten es zuerst erfahren, aber die sind in H. und nicht hier. Wie also? Hinfahren? Anrufen? Wie sollte ich hinfahren, ich war doch immer noch dabei wie eine Blöde zu arbeiten. Also anrufen, aber wie wissen, ob die Zeit zum Quatschen da ist? Also SMS: “Hallo C., hast du heute vormittag mal Zeit zum Telefonieren? Liebe Grüße, Lily”

Kurze Zeit später- keine SMS- nein, gleich der Anruf. Wie ichs gesagt habe? Ganz ehrlich? Ich weiß es gar nicht mehr genau. Ich glaub ich hab irgendwas von Biopsieergebnis (das die Biopsie anstand, wusste sie) gesagt, Tumor im Knochen, Osteosarkom- und plötzlich kam alles raus, die ganzen unterdrückten Tränen- ich heulte und heulte. Nach- ich weiß nicht wie langer Zeit- haben wir erstmal aufgehört zu telefonieren, aber C.´s Mann wollte sich später nochmal melden, er kennt sich mit den Medikamenten aus. Das war gut, da konnte mir jemand haarklein die Nebenwirkungen beschreiben und mich darauf vorbereiten. Doch dadurch kamen neue Ängste… ICH????…. meine schönen langen blonden Locken verlieren???????