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Menschen verändern sich, Freundschaften auch- oder?

“ Was man tief in seinem Herzen besitzt,

kann man nicht durch den Tod verlieren.

Wahrscheinlich sollte es heißen: Ich verändere mich, verändern sich meine Freundschaften auch? Dieses Thema hat mich in den letzten Tagen arg beschäftigt. Habe einfach gemerkt, dass sich Einiges bei mir verändert. Meine Gedanken, meine Wünsche, meine Einstellung. Viele Gespräche mit Kiki gab es in den letzten Tagen, über Prognosen der Ärzte („Stellen Sie sich auf ein halbes Jahr ein.“), den Umgang mit dieser Prognose, über den Tod, das Sterben, die Vorbereitung darauf. Aber auch über Fehl- Prognosen, mutmachende Beispiele, aus denen man (bzw. ich) Kraft schöpfen kann- vor allem aber auch Mut.

Und nun steh ich hier und sehe den Weg, der vor mir liegt, mit anderen Augen. Klar ist die Angst noch da, davor dass ich den Kampf vielleicht verliere. Aber etwas Anderes steht jetzt im Vordergrund: Ich will, dass das Schlimme seinen Schrecken verliert. Wenn es dazu kommt, soll es so geschehen, wie ich es möchte. An einem Ort, wo ich es möchte, unter den (möglichen) Umständen, die ich möchte. Kein tot- therapieren, sondern in Würde.

Und nun galt es, das irgendwie Freunden beizubringen. Aber wie sollte ich das, was bei mir innerhalb von 2 Wochen gedanklich entstanden ist, mal eben so jemand Anderem beibringen. Wo ich doch eigentlich noch gar keinem so wirklich von der Prognose (6 Monate) erzählt hatte. Und dazu kam, dass ich auch bei dem Einen oder Anderen schon vorher bemerkt hatte, dass da beim Thema Tod und Sterben doch Berührungsängste aufkommen. Also erstmal bei denen angefangen, wo ich weiß, sie können damit um.

Und dann die große Angst: Wird es die Freundschaften verändern? Gehen Freundschaften auseinander, weil die Angst der Anderen vor der Sterblichkeit zu übermächtig ist? Meine eigene Angst wurde immer kleiner. Sterben? Will ich nicht. Wenn ich es aber muss, dann ist es so.


Nach und nach fanden also Gespräche statt- mal klar und auf den Punkt gebracht, mal eher vorsichtig, herantastend. Nachdem es nun die Meisten wissen, ist mir wohler, ich bin irgendwie erleichtert, eine große Last ist weg. Und eine große Angst auch. Ja, Freundschaften verändern sich in einem solchen Moment auch, aber nicht ins Negative-  nein, ins Positive. Sie werden offener, bewusster, intensiver. Man nutzt die Zeit anders, Zeit wird kostbar. Man ist sich näher.

Und wenn diese Sorgen unnötig waren, weil ich den Kampf gewinne? Dann freue ich mich, aber bin trotzdem froh, dass ich mich mit dem Schlimmsten auseinander gesetzt habe, ihm die Stirn geboten habe- so dass das Schlimmste an Schrecken verliert. Ein paar Dinge sind noch zu regeln, zu besprechen. Das Wo, wenn es denn dazu kommen sollte, steht noch nicht fest.

Ein Gespräch war besonders leicht, aber dadurch auch sehr intensiv. Wir haben über Möglichkeiten gesprochen… Hospiz….. schrecklich? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Vielleicht ist das Einigen zu heftig, was ich hier so von mir gebe, aber ich habe keine Eltern, die sich um sowas kümmern, wenn ich soweit bin, dass ich es nicht mehr kann. Im Krankenhaus sterben? Nein, auf gar keinen Fall. Also doch weiterhin dem Schlimmsten die Stirn bieten, sich informieren….. sich ein Hospiz anschauen. Mit jemandem, der es mir vorgeschlagen und dann auch angeboten hat, mitzukommen.

Und wenn immer noch jemand fragt: Warum das Alles? Ja, warum, damit das Schreckliche an Schrecken verliert, damit alles in „trockenen Tüchern“ ist. Damit ich leben kann, ohne immer wieder von dem Schrecklichen heimgesucht zu werden, sondern um sagen zu können: Ja, es ist furchtbar, wenn es so kommen sollte, aber es ist das Leben, wir sind alle sterblich. Und ich möchte die nächsten Wochen, Monate- und ja, vielleicht auch Jahre- viele schöne Dinge erleben, machen können, erleben dürfen. Mit möglichst wenigen Gedanken daran, wie es sein wird. Denn es ist geregelt.

„Fange jetzt an zu leben,

und zähle jeden Tag als ein Leben für sich.

This entry was posted on Freitag, Mai 21st, 2010 at 23:18 and is filed under Alles. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Both comments and pings are currently closed.

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